Anwendungsfall 01
Welche ESRS-Fassung gilt für mein Geschäftsjahr?
Stand: 1. September 2026
Die Frage klingt nach einer Formalie und ist der praktische Kern des Berichtsjahres 2026. Wer die falsche Fassung zugrunde legt, erhebt Datenpunkte, die nicht mehr verlangt werden — oder lässt welche aus, die weiterhin verlangt sind.
Für Geschäftsjahre, die vor dem 1. Januar 2027 beginnen, besteht ein Wahlrecht. Anwendbar sind die ESRS in der Fassung der Delegierten Verordnung (EU) 2023/2772, die überarbeitete Fassung nach dem delegierten Rechtsakt C(2026) 5010 final vom 3. Juli 2026, oder die Fassung 2023 unter Inanspruchnahme der dort vorgesehenen Erleichterungen. Verpflichtend ist die überarbeitete Fassung für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2027 beginnen.
Was sich geändert hat
Die überarbeiteten ESRS im Überblick.
Inhaltliche Änderungen
- Vorrang quantitativer Angaben vor narrativen Beschreibungen
- Ausdrückliches Verbot der Berichterstattung über nicht wesentliche Informationen
- Neue Übergangsregelungen, unter anderem ein Jahr für besonders besorgniserregende Stoffe
- Klarstellungen zu Mikroplastik, zu Bilanzgrenzen bei Treibhausgasen und zu Ausnahmen im Asset-Management
Umbenennungen, die im Alltag Fehler erzeugen
- ESRS E3 heißt nur noch „Water“; die frühere Bezeichnung „Water and Marine Resources“ kommt im neuen Text nicht mehr vor
- Ein Modell, das Standardtitel aus dem Gedächtnis ergänzt, gibt weiterhin den alten Titel aus
- Solche Fehler fallen nicht auf, weil die Antwort formal korrekt aussieht und eine Quellenangabe trägt
Die Prüffrage
Woran Sie erkennen, ob ein System die Fassungen trennt.
Stellen Sie diese Frage einmal in CSRD-GPT und einmal in dem Werkzeug, das Sie sonst verwenden. Der Unterschied liegt nicht in der Länge der Antwort.
„Was ändert sich für ESRS E1-1 zwischen ESRS 2023 und ESRS 2026, und welche Fassung gilt für ein Geschäftsjahr 2026?“Prüffrage zur Fassungstrennung
Eine belastbare Antwort nennt drei Dinge: aus welcher Fassung die jeweilige Aussage stammt, was sich konkret geändert hat, und welche Fassung für das genannte Geschäftsjahr anzuwenden ist — einschließlich des Wahlrechts. Eine Antwort, die „die ESRS“ als einen einzigen Textbestand behandelt, hat die Frage nicht verstanden, sondern umschifft.
Warum allgemeine Modelle diese Trennung nicht leisten können →
Häufige Fragen
Welche ESRS-Fassung gilt für das Geschäftsjahr 2026?
Für Geschäftsjahre, die vor dem 1. Januar 2027 beginnen, besteht ein Wahlrecht: Unternehmen können die ESRS in der Fassung der Delegierten Verordnung (EU) 2023/2772 anwenden, die überarbeitete Fassung nach C(2026) 5010 final, oder die Fassung 2023 unter Inanspruchnahme der dort vorgesehenen Erleichterungen. Verpflichtend ist die überarbeitete Fassung erst für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2027 beginnen.
Was hat sich in den überarbeiteten ESRS geändert?
Die Zahl der verpflichtenden Datenpunkte sinkt um rund 61 Prozent, die Zahl der Offenlegungsanforderungen von etwa 91 auf etwa 75. Quantitative Angaben erhalten Vorrang vor narrativen. Für nicht wesentliche Informationen gilt ein ausdrückliches Verbot der Berichterstattung. Einzelne Standards werden umbenannt, unter anderem heißt ESRS E3 nur noch „Water“.
Warum kann ChatGPT diese Frage nicht zuverlässig beantworten?
Weil beide Fassungen im Training desselben Modells liegen und dort nicht getrennt sind. Das Modell kennt die Textbestände, aber keine Trennlinie zwischen ihnen. Es mischt sie deshalb und kann nicht angeben, aus welcher Fassung eine Aussage stammt.